Wir leben in der „Post-Work-Life-Balance Zeit“

geschrieben am: 09.12.2018 von: Oliver Haberger

Seit vielen Jahren taucht sie immer wieder auf, die Work-Life-Balance scheint irgendwo immer eine rhetorische Rolle zu spielen. Jeder weiß inzwischen, was dies bedeutet, aber kaum jemand fängt damit was an, irgendwie scheint es nicht mehr ganz so greifbar, wie noch vor einigen Jahren. Hatte man in den Hochzeiten der medialen Aufmerksamkeit auf Work-Life-Balance in den Betrieben „Good Feels“ eingeführt, hat das Interesse daran laut den Studien sehr nachgelassen, die Mitarbeiter scheinen heute nicht mehr so daran interessiert zu sein. Der Kicker verstaubt und die Massagegutscheine verfallen. Die Wohlfühlzonen vereinsamen. Sicher ist es nicht ganz so, wurde aber in einigen Unternehmen, vor allem in den Dienstleistungsbranchen, so erhoben.

Der Grund ist relativ einfach zu ermitteln. Eine Balance erfordert zwei Seiten, zwischen denen die Balance hergestellt werden kann. Leben und arbeiten geraten aber immer mehr durcheinander. Unsere Arbeitswelt verändert sich drastisch, Grenzen verschwimmen und die sozialen Medien fördern diese Vermischung noch einmal mehr um den Faktor der ständigen Erreichbarkeit. Projekte aus dem Firmenalltag tauchen durch Kontakte, Memos, Whatsapp-Nachrichten und Messenger längst in den privaten Accounts auf.

Vor allem Kopfarbeitern, Mitarbeiter, die sich mit Projekten auseinandersetzen, beschäftigen sich innerlich auch privat mit den Problemstellungen und Lösungen werden manchmal irgendwo zwischen Duschraum und Wohnzimmer gefunden. Ein Blick auf die E-Mail Korrespondenz ist heute  auch am Wochenende keine große Sache mehr, man hat ja das Smartphone schon in der Hand. Mitarbeiter, die dazu noch im Home-Office arbeiten, sind besonders betroffen.

 

Work Life Balance ade?

Working Life 2018, eine neue Studie zur Vermischung von Privat- und Berufsleben der PageGroup hat eine ganze Reihe Merkmale nachgefragt, in welchem Umfang und welchen Bereichen sich unser Arbeitsleben verändert hat. Die mobilen Tools bieten nicht nur die ständige Erreichbarkeit, sondern verknüpfen Interaktion, Nachrichtenaustausch mit Unterhaltung und Infotainment. In Echtzeit Nachrichten austauschen ist nicht nur den Nutzern der Straßenbahn vorbehalten, sondern wird beinahe von 85 % der Personen zwischen 16 und 29 genutzt. Selbst auf kurzen Zugstrecken sind heute viele Nutzer von Notebooks zu beobachten, die noch schnell einen Gedanken eintippen, oder eine Tabelle updaten. Überhaupt sind scheinbar Excel-Tabellen am bequemsten in einem Zug zu lesen.

Laut der Studie benutzen 48 % dasselbe Handy beruflich als auch privat.  Die neuen Medien kennen keine Grenzen, denn beruflich wichtige Informationen können ja überall und jederzeit auftauchen. Dieser Trend der Vermischung wird inzwischen unter einem neuen Begriff geführt.

 

Es lebe Work-Life-Blending

Darunter ist die Auflösung der Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben gemeint. Dabei gibt es Branchen, in welchen die Vermischung stärker zunimmt, als in anderen. Dies hängt vornehmlich davon ab, in wieweit sozialgesellschaftliche technologische Entwicklungen für die Branche prägend sind. ITler, die sich mit der Spieleprogrammierung beschäftigen, sind mehr vom Work-Life-Blending betroffen als Beamte in einer Behörde.

Eine von der Bundesregierung geförderte Initiative, die von vielen Instituten der Gesundheitsbranche getragen wird, ist die Initiative psyGA.  Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, das vorhandene Wissen zur Förderung der psychischen Gesundheit bekannt zu machen und an Unternehmen weiterzugeben. Laut einer Studie der Initiative sehen 73 % bei der Vermischung die Gefahr einer steigenden psychischen Belastung. 40 % sehen in der Vermischung daneben aber auch Vorteile.

Das Deutsche Institut für Normung (DIN) ist dabei, eine Normierung für Belastungen am Arbeitsplatz zu entwickeln. Aktuell werden Experten gesucht, um die dreiteilige internationale Normenreihe DIN EN ISO 10075 “Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung” zu erarbeiten.

Das Ziel ist, Vorgaben zu entwickeln, um Arbeitsbedingungen gestalten zu können, damit psychische Belastungen minimiert werden.

 

Eine Norm ist nur ein Tool, doch wer setzt es um?

Die Norm ist dazu nicht neu, wird aber im Moment in Berlin überarbeitet auf Grund der Auswirkungen durch die Digitalisierung. Maßgeblicher Auslöser waren Studien über die Effekte bei ständiger Erreichbarkeit.

Eines haben die Studien auch gezeigt: Wenn keine Prävention stattfindet, fallen Mitarbeiter dann plötzlich aus. Die Ausfälle sind kaum vorhersehbar, der Mitarbeiter ist an einem Tag noch voll im Einsatz und ein kleiner Auslöser kann das Fass zum Überlaufen bringen. Belastungsstörungen sind letztlich wie bei einem Belastungstest, wie zum Beispiel für Eisen, kaum vorhersehbar. Plötzlich bricht es.

2019 wird ein Jahr, in dem dies zum Thema wird, denn wir benötigen gesunde Mitarbeiter, die hohe Belastungen aushalten können. Dazu ist Voraussicht nötig, damit diese auch, gemeinsam mit den Führungskräften, das Jahr 2019 zum erfolgreichsten aller Jahre machen. Wichtige Voraussetzung zur Prävention ist grundlegendes Wissen um alle Vorgänge und Bereiche rund um Mitarbeiterführung. Heute gehören Coaching und psychologische Aspekte genauso dazu, wie grundlegende Kenntnisse der verschiedenen Führungsstile. Alles was Sie dazu wissen und lernen müssen, können Sie in den Seminaren und Workshops unserer Institutionen, des MANAGER INSTITUTS und der MANAGER UNIVERSITY lernen. Sie können jederzeit anrufen und sich beraten lassen, warten Sie nicht, bis ein Mitarbeiter ausfällt.

Doch an erster Stelle steht hier der Wunsch für uns alle, die richtige Balance in 2019 zu finden, um für jeden den größtmöglichen Erfolg zu garantieren.

  • https://www.presseportal.de/pm/132428/4089612
  • http://psyga.info
  • https://newsroom.rundstedt.de/pressemitteilungen/
  • https://www.arbeitsschutz-portal.de/beitrag/asp_news/6951/ueberarbeitung-der-norm-zu-psychischen-arbeitsbelastung-experten-gesucht.html

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