Geschoben statt selbst gelaufen

geschrieben am: 20.10.2020 von: Oliver Haberger

Führen hat sich dramatisch geändert und gerade durch die Pandemie hat die Beschäftigung mit diesem Thema eine enorme Aufmerksamkeit erhalten. In vielen Wirtschaftsforen, Magazinen und Beiträgen werden die Führungsstile deutscher Manager besprochen, untersucht und vor allem auf die Perspektive neuerer neurowissenschaftlicher Erkenntnisse hin diskutiert.  

Was die regulären Schulen und Wirtschaftspropheten seit Jahren predigen und worin kaum Fortschritte gemacht wurden, hat die Anforderungen durch die Pandemie in wenigen Monaten zu einem zentralen Thema gemacht. Die Pandemie hat nicht nur in den Führungsfragen neue Diskussionen und Entwicklungen ausgelöst, ebenso betroffen sind die technologischen Bedingungen. Die Digitalisierung steht seit dem Beginn der Pandemie im Fokus und holt gerade laut den technologischen Forschern in Deutschland um 10 Jahre auf. Seit Jahren sprechen wir davon, wie wichtig es ist die Herangehensweise an die IT-Entwicklung zu ändern. Manchmal kam man sich vor, als ob man einfach zu wenig Wasser auf die Mühlen der Einsicht geben würde. Die Pandemie schaffte es in 6 Monaten, eine ganze Unternehmergeneration für digitale Umsetzungen zu gewinnen.  

 

Führen ist nur ein Teil des Ganzen 

Im Bereich der Führungsstile spielt allerdings auch die Organisationskultur eine Rolle. Das normale Funktionieren der bisher organisch gewachsenen Unternehmensstrukturen und Befehlsketten wurde jäh gestoppt. Innerhalb weniger Monate brachen Strukturen auseinander, mussten neu erdacht zusammengebaut werden. Ganze Geschäftsmodelle änderten sich und Strick-Maschinenbauer starteten mit neuen Produkten für die Gesundheitsindustrie.  

Reisen wurde weitgehend abgesagt und VideoKonferenzen wurden zum Alltag. Der Aktien-Kurs des ZOOM Video Unternehmen hat sich in 6 Monaten vervierfacht und steigt weiter. Neue Anwendungen fluten den Markt und bringen neue Lösungen. Doch welchen Einfluss hat dies auf die Führung dieser Mitarbeiter am Bildschirm? Zuvor konnte man mit einer Geste oder einem körpersprachlichen Element ein Team steuern. Doch diese direkten kommunikativen Elemente gehen im Video unter und viele Führungskräfte haben Mühe, ihre Absichten und Vorgaben mit Ausdruck zu vermitteln. Was bleibt, ist der verbale und auf die Gesichtsmuskeln reduzierte Ausdruck von Wohlwollen, strikter Anweisung oder milder Korrektur.  

 

Müssen Führungskräfte nun vor dem Spiegel Gesichter üben?  

Viele Menschen haben es schwer ihre Wirkung auf andere einschätzen zu können. Damit ist nicht die Reflektion über unser eigenes Verhalten gemeint, aber auch dieses findet nicht pausenlos statt. Wir faden die Reflektion sozusagen zeitweise ein und aus. Die Überprüfung unserer Wirkung aber findet nicht in der Reflektion über uns selbst statt, sondern an den Ergebnissen, die uns zurückgespiegelt werden. Wir können soviel Informationen gar nicht auf einmal verarbeiten, auch wenn unser Gehirn leistungsfähiger ist, als alle Computerkraft der Welt. 

Das ist nicht unnormal und ist von der Natur in unserer soziopsychologischen Struktur auch so angelegt. Würden wir ständig unsere Wirkung überprüfen, selbst wenn wir dies verarbeiten könnten, wären wir sehr schnell in einem konfusen Zustand und könnten kaum zielgerichtet kommunizieren.  

  

Wissen Sie wie Sie wirken? 

Nachweislich wird die eigene Wirkung in den meisten Fällen völlig falsch eingeschätzt. Untersuchungen zeigen deutlich, dass Sendung und Empfang nur schwer zu kalibrieren sind. Professor Friedemann Schulz von Thun ist Kommunikationsforscher und hat legendäre Vorlesungen an der Universität Hamburg gehalten. Seine Stärke sind Kommunikation und Führung und er liebt es aufzuzeigen, wie Kommunikation wirkt.  

Das Kommunikations­Quadrat von Schulz von Thun ist inzwischen beinahe 40 Jahre alt. Es besagt, dass wenn wir miteinander in Kontakt treten, wir mit „4 Schnäbeln und 4 Ohren“ aufeinandertreffen. Ihm ging es nun darum, diese vier Perspektiven einzeln zu beherrschen und in einem stimmigen Vierklang zusammenspielen zu lassen 

Schulz von Thun gehört sicherlich zu den tragenden Grundlagenforschern in diesem Bereich. Die Kommunikationsforschung hat zwar eine eigene Geschichte und zahlreiche Konzepte hervorgebracht, aber um diesen Newsletter nicht zu überfrachten, beschränken wir uns einmal auf das VierOhrenModell von Prof Thun. (Ohren-Bilder dazu gibt es reichlich im Internet).  

Das Modell von Schulz von Thun ist leicht verständlich und ist eines der ersten populären Modelle, welches in vielen Variationen angewendet wird. 

 

Das Vier-Seiten-Modell (auch Nachrichtenquadrat, Kommunikationsquadrat oder Vier-Ohren-Modell),
Quelle: https://www.schulz-von-thun.de/die-modelle/das-kommunikationsquadrat

Auf jeder der vier Seiten nehmen wir eine Botschaft auf oder senden sie. Wie das Senden und das Ankommen funktioniert, zeigt am einfachsten ein Beispiel welches aus der Kommunikationsforschung selbst stammt. 

 

Ein Mann und eine Frau sitzen beim Abendessen.  

Der Mann schaut in die Suppe und sagt: “Da ist was Grünes drin”. 

Die Frau antwortet gereizt: „Mein Gott, wenn es dir hier nicht schmeckt, kannst du ja woanders essen gehen!“ 

 

Was hier der Mann auf den verschiedenen Ebenen sagen will ist: 

Sachebene: Da ist was Grünes.  

Selbstoffenbarung: Ich weiß nicht, was es ist.  

Beziehung: Du wirst es wissen.  

Appell: Sag mir, was es ist!  

 

Die Frau hingegen versteht den Mann auf den verschiedenen Ebenen folgendermaßen: 

Sachebene: Da ist was Grünes.  

Selbstoffenbarung: Mir schmeckt das nicht.  

Beziehung: Du bist eine miserable Köchin!  

Appell: Lass nächstes Mal das Grüne weg!  

 

Jede dieser vier Ebenen wirkt als vielschichtige Instanz mit vielen weiteren einzelnen Wirkungen und weiteren Ebenen. Es ginge zu weit, noch eine Emotions- und Motivations-Matrix zu besprechen, weshalb wir dieses Bild des Mannes und der Frau stehen lassen und dies auch gerne auf Situationen im Büroalltag übertragen können. Die Abläufe geschehen im Bruchteil einer Sekunde und werden ebenso wahrgenommen, weshalb wir oft uns selbst in der Lage befinden gewünscht zu haben, das eine oder andere nicht gesagt zu haben.   

 

Kommunikation in Video-Zeiten 

Davon abhängig wie nahe wir der Person stehen, ist die Wechsel-Wirkung stärker oder weniger stark. Es braucht das direkte Gegenüber, doch wir sind auch in der Lage am Telefon oder am Video Dinge zu spüren und selbst in kurzen elektronischen Messages steckt eine Menge Information. 

Bereiche werden jedoch zunehmend unschärfer, je weiter wir von einer Person distanziert sind und umso verzerrter wird die Wahrnehmung. Dafür gibt es von der technischen Seite auch keine Lösung, da es ein rein menschlicher Faktor der Kommunikation ist. Das einzige was bleibt, ist eine gezielte Weiterbildung in Kommunikation und deren Wirkungsweise. Vor Corona war dies ein wichtiges Thema, jedoch jetzt über die Distanzen kann es zum überlebenswichtigen Faktor werden.  

2020 wird sicherlich als das Jahr der Krise aber auch der erneuerten Kommunikation-Skills in die Geschichte eingehen. Dabei werden einige Unternehmen zu Meister der Kommunikation werden und andere werden es schwer haben, den Anschluss nicht zu verpassen.  

Sie dürfen aber auch wissen, und das ist eine Nachricht, die auf allen vier Ohren ankommen sollte:  

Ihnen steht unser Bildungskonzern 5D GmbH mit drei Säulen unter einem Dach zur Verfügung:  

MANAGER INSTITUT MANAGER University PROTRANET 

Drei starke Säulen, die sich strategisch ergänzen und Ihre Kompetenz in allen unternehmerischen Skills stärken.  

Rufen Sie unsere Berater an, sie kennen sich mit den Weiterbildungskonzepten und Lösungen für die Kommunikations-Hürden aus. 

 

 

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