Gefährliche Friktionen zwischen den Fachbereichen

geschrieben am: 30.09.2019 von: Oliver Haberger

Wer heute ein Unternehmen führt, leitet eigentlich nicht eine Einheit, sondern führt viele einzelne in sich abgeschlossene Abteilungen oder auch Fachbereiche sowie zahllose Projekte. Eine Führungskraft gleicht dabei eher einem Jongleur. Die Kunst alle Bälle in der Luft zu halten, über mehrere Bereiche agil zu agieren und dabei die Themen und Schnittstellen im Auge zu behalten ist herausfordernd und bewundernswert.

Die Komplexität der schönen neuen Technologien, hat dies nochmal auf einen neuen Level gehoben. Die Anforderungen der einzelnen Bereiche können so konträr sein, dass ein normal Sterblicher einen Knoten im Kopf bekommt. Kompetente Führungskräfte können aber genau dies und manche fühlen sich erst bei größeren  Herausforderungen wie ein Fisch im Wasser.

Jemand, der dabei gegensätzliche Positionen einnehmen kann und seine eigenen Entscheidungen immer wieder in Frage zu stellen vermag, gehört dann schon zur Königsklasse. Heute in der kreativen Abteilung die wildesten Visionen entwickelt und morgen wird in der Buchhaltung alles wieder zusammengestrichen. Kennen Sie das?

 

Wie viele der Ideen und Planungen tatsächlich bis zum Ende durchgeführt werden?

Laut einer offiziellen Studie der GFK Nürnberg sind es nicht mal 20% was tatsächlich übrig bleibt. Wir alle sind ständig am Planen, Kreieren und wieder Ändern, dies ist die normale Vorgehensweise, um uns Vorwärts zu bewegen, um etwas Neues zu finden.

Dass Führungskräfte dabei oftmals die treibenden Rollen spielen, gehört zu ihren Aufgaben. Ist die Führungskraft geübt, das heißt kennt seine Rolle auf der Bühne, hat zudem ein hohes Maß an einem integeren Rollenverständnis, kann er mit sehr viel selbstauferlegter Disziplin eine gute Inszenierung gestalten. Doch viele Führungskräfte haben Schwierigkeiten mit den vielen Rollen, die heute nötig sind, klar zu kommen. Oder die Bühne ist zu groß, das Stück hat zu viele Handlungsstränge oder es sind Akteure auf der Bühne, die schwer zu dirigieren sind. Manchmal kommt auch alles zusammen.

 

Die Bühnen und die Rollen

Beim Manager Institut haben wir 18 verschiedene Unternehmensbereiche, die jeder für sich eine eigene Bühne benötigt. Jeder Bereich verlangt eine unterschiedliche Inszenierung und Akteure, die auch zur Profession passen. Marketing soll von Leuten gemacht werden, die ein hohes  Maß an Kreativität mit sich bringen. In der Buchhaltung ist hingegen jegliches kreative Talent gerade zu verboten. Die Passung der Mitarbeiter ist also eine der Perspektiven, die eine Führungskraft heute im Auge behalten muss. Dabei sind die persönlichen Merkmale wie Talent und Persönlichkeit zwar ein Treiber, aber auch die Variablen der Rollen und Umgebung haben ihren Einfluss. Jemand der gut darin ist, eine Abteilung zu führen, kann unter Umständen massiv fehleranfällig werden, sobald er dieselben Abteilungen von mehreren Niederlassungen leiten soll. Seine persönliche Passung gleicht eventuell der eines Häuptlings, der den direkten Kontakt braucht. Hingegen die Passung eines Diplomaten oder Strategen kann auch über weite Distanzen agil bleiben. Unverständlich für einen Stammesführer, der am liebsten an einem Lagerfeuer seine Story entwickelt.

 

Herausforderung  eines ganzen Opernhauses

Eine Führungskraft, die in der Hierarchie weiter oben angesiedelt ist, muss mehrere Bühnen mit unterschiedlichen Projekten beherrschen. Er muss die Stücke vorgeben, welche gespielt werden sollen, deren Inszenierung  planen, die Ausstattung und Größe der Bühnen festlegen, die direkten und indirekten Akteure wählen und einsetzen, den Regisseur für jedes Projekt sowie die Produzenten bestimmen, die Uraufführungen planen und für jedes Stück das entsprechende Publikum im Auge behalten.

Die Kunst dabei ist, dass alles passen muss, ein Regisseur kann aus den besten Schauspielern Witzfiguren machen. Gerade die Genies unter den Schauspielern brauchen, damit das Beste von Ihnen kommt, eine noch bessere Führung als gewöhnliche Statisten. Wir alle erinnern uns an internationale Filme, bei welchen wir uns fragten, warum gerade dieser oder jener Weltklasseschauspieler in diesem Film so jämmerlich spielte, obwohl wir ihn schon brillierend in anderen Filmen gesehen haben.

Für manche Akteure kann die Bühne zu groß sein, das Bühnenbild zu üppig oder einfach zu viele Mitspieler im Stück. Buchhalter und Programmierer sind Inselbewohner mit genau abgestecktem Terrain, doch schon ein Fotograf, ein Produktionsleiter und ein Marketingleiter kann sich in einer größeren Inszenierung wohl fühlen und der Verkaufsleiter wiederum badet nur zu gerne in einer Menge von Zuhörern, die ihm zugetan ist. Doch für den Produktionsleiter muss technisch alles stimmen, hingegen für den Marketingleiter muss die Präsentation stimmig rüberkommen.

Eine Führungskraft wird diese Potentiale in seinen Mitarbeitern aufdecken und diesen ihr Potential eröffnen, damit sie in ihre Passung hineinwachsen können. Doch dazu muss natürlich auch die Führungskraft sich die Skills aneignen, die bestimmenden Parameter kennen und selbst in einer guten Passung agieren.

Jeder gehört sicher zu einem der 18 Unternehmensbereiche und muss dort seine Passung finden. Trotzdem verlangen der unternehmerische Alltag und die Verantwortung für Mitarbeiter, dass Sie weitere Bereiche nicht nur kennen, sondern, einen Schritt weitergedacht, auch sicher mit den Schnittstellen zwischen den Bereichen umgehen können. Gerade an den Schnittstellen zwischen den Bereichen entstehen die meisten Friktionen, die zu Problemen werden können. Um hier meisterlich zu agieren gehört ein sicherer Umgang mit den Erfordernissen der Bereiche. Jeder Bereich erzeugt Output und dieser muss entsprechend aufbereitet dem nachfolgenden Glied der Wertschöpfungskette bestmöglich dienen.  “Es muss einfach passen”, sagt unser Produktionsleiter.

 

Je mehr eine Führungskraft es versteht, die Schnittstellen zu beherrschen, umso größer ist die Wertschöpfungskraft eines Unternehmens

Den größten Erfolg haben Unternehmen, die es schaffen, die Schnittstellen so zu stabilisieren, dass kaum Friktionen entstehen. Ganz ohne Friktionen geht es aus naturgemäßen Gegebenheiten nicht, aber viele Unternehmen wären schon zufrieden, wenn Friktionen, die sich durch Störfälle zeigen, in einem Bereich von unter 20% blieben und somit ein 80% positiver Output gewährleistet werden könnte.

In den meisten Fällen zeigt die Störanfälligkeit von Schnittstellen jedoch nur eines, es ist zu wenig Wissen über die möglichen Parameter vorhanden, die zu Friktionen führen können. Es gibt nur zwei Faktoren, die an Schnittstellen zu den Konstellationen führen, die Probleme verursachen.

A. Die Passung der Mitarbeiter

B. Qualifizierung der Führungskräfte

 

Die Lösung

Da die Passung der Mitarbeiter ebenfalls eine Verantwortung der Führungskräfte bedeutet, bleibt an erster Stelle: Die Qualifizierung der Führungskräfte muss verbessert werden, und zwar so lange, bis möglichst keine bzw. noch vertretbare Friktionen an den Schnittstellen auftreten. Hat die Führungskraft die richtigen Leute am richtigen Platz zur richtigen Zeit (A.) kann ja nur noch eine Wissenslücke oder Aufmerksamkeitslücke des Verantwortlichen zu einer Friktion führen.

Schauen Sie sich die 18 Unternehmensbereiche an und evaluieren Sie für sich selbst, welche Schnittstellen Ihre Herausforderungen sind. Haben Sie die Bereiche gefunden, müssen Sie Ihr Wissen in den Bereichen vertiefen, welche die Schnittstellen betreffen.

Buchen Sie einen Basiskurs in dem Bereich, der Ihre Schnittstellen betrifft. Noch besser, rufen Sie unsere Berater an und sprechen Sie mit Ihnen über die Schnittstellen, die Sie betreffen.

So können Sie gemeinsam mit unseren Beratern ein Weiterbildungskonzept erstellen, welches Ihnen in der Zukunft hilft, Friktionen weitgehend zu vermeiden und die Produktivität der Wertschöpfungskette Ihres Unternehmens zu erhöhen.

 

MANAGER INSTITUT – MANAGER University – PROTRANET

 

Kommentar schreiben