Was Strategen über Synergien wissen sollten

geschrieben am: 12.01.2017 von: Oliver Haberger

Kennen Sie die 4C? Die Perspektiven aus den 4C Ansätzen können bei synergetischen Firmenstrategien helfen, die Prozesse zu beschleunigen und die Mitarbeiter-Akzeptanz zu verbessern. Eine Einführung finden Sie im Januar Newsletter, den Sie hier bestellen können.
Die Beschäftigung mit den bedeutenden Wirkungsmechaniken in einer Synergie wurde in den letzten Jahren häufig vernachlässigt. Insbesondere die durch Friktionen bei der Zusammenlegung von Mitarbeiter-Ressourcen entstehenden Produktivitätsverluste waren selten Thema von Untersuchungen. Viele Zusammenschlüsse sind eher durch „Management by Wurtschling“ gekennzeichnet, als von sinnvollen kulturbasierten Planungen.
Im Prinzip ist die Synergie die Suche nach einem betriebsfähigen Zusammenspiel von bisher mehreren Ressourcen, welche nun auf eine Ressource reduziert werden soll. Dies bedingt vorher eine Veränderung der Beziehungen zwischen den Ressourcen und innerhalb der Wertschöpfungsketten über die verschiedenen beteiligten Unternehmen hinweg.
Diese Suche schließt die Untersuchung von ähnlichen Prozessen ein und die Möglichkeit der Zusammenlegung bei gleichzeitiger Ausnutzung der Unterschiede zur Verbesserung der Produktivität.

Die 4C bei der Kulturentwicklung als Grundlage bei der Nutzung von Synergien
Panish Puranam, Chair Professor für Strategie und Organisations-Design und Direktor der INSEAD Akademie und Bart Vaneste Professor für Strategie und Entrepreneurship am UCL, School of Management haben die 4C entwickelt.
Zusammengefasst gilt folgende Aussage: „Operationale Synergie benötigt als erstes eine Veränderung der Beziehungen zwischen den Gliedern der Werteschöpfungsketten und Ressourcen“.
Strategisch gesehen wird hierbei die Querschnittskompetenz voraussetzt. Diese wird nötig, sobald zwei an sich fremde Systeme miteinander in Beziehung treten. Dies geschieht landläufig bei Fusionen oder einer Zusammenarbeit in einer Kooperation eines Themas. Bei Fusionen als auch bei Kooperationen ist es bekannt, dass Synergien auch ebenso kontraproduktiv wirksam werden können. Systeme, die in sich selbst schon komplex sind, haben das Potential in einem synergetischen Prozess die Komplexität um das Mehrfache zu steigern. Die Untersuchung von Potentialen für Synergien gehört deshalb zu einer der schwierigsten Aufgabe von Führungskräften.
Die 4C sind nicht nur ein Tool bei der Durchführung von synergetischen Prozessen, sondern bieten auch Untersuchungsparameter, um ein System auf die Synergie wirksamer Parameter einzuschätzen:

1. Consolidation
2. Combination
3. Customisation
4. Connection

1. Consolidation – Konzernbildung / Zusammenschluss / Kooperation
Die Standards jeder Synergie.

Neue Werte entstehen oder werden geschaffen, wenn ähnliche Ressourcen unterschiedlicher Quellen auf redundante Prozesse, Abläufe oder Materialnutzung analysiert und diese eliminiert werden.

Werte entstehen also in diesem synergetischen Prozess durch Eliminierung, wenn diese bei einem Zusammenschluss mehrerer ähnlicher Ressourcen oder Prozesse eruiert wurden.
Der Gewinn ist die Streichung von Mitteln bzw. Ressourcen von einer oder beiden Seiten oder einer Anpassung, soweit dies möglich ist. In der Regel wird eine neue Ressource geschaffen auf der Basis der bisherigen Wertschöpfungsmaßnahmen.

2. Combination – Kombinieren oder Bündeln
Die Methode der ‘Stärkung durch Masse’

Ähnlich eingesetzte Ressourcen werden konzentriert. Das Ziel ist es, das Vermögen, den Einfluss oder die Marktkraft zu vergrößern. Anders als mit einem Zusammenschluss (Consolidation) werden bei der Verwirklichung der Synergie durch Kombination keine Ressourcen aufgegeben oder eliminiert. Beispiele: Eine Einkaufsabteilung kann zusammengelegt werden und so durch den vermehrten Bedarf größere Rabatte aushandeln. Durch die Kombination mit einem bisherigen Konkurrenten können bessere Preise erzielt werden. Diese Art der Synergie ist meist auch ein sensibles Thema, welches die Kartellgerichte beschäftigt.

3. Customisation – Kundenanpassung/Anpassung
Teilhaberschaft anhand der Vereinigung von zwei Instanzen. Spezifische Teile der Wertschöpfungskette werden kooperativ verbunden.

Beispiel: Ein TK-Unternehmer und eine Software Firma arbeiten zusammen, um ein neues Smartphone zu entwickeln, um eine hohe Kompatibilität der Betriebssoftware mit dem Gerät zu gewährleisten. Das Ergebnis der Synergie kann ein Endprodukt vorbringen, das nicht nur besser funktioniert, sondern auch weniger als zuvor kostet und dadurch günstiger angeboten werden kann.

4. Connection – Verknüpfung
Die Basis ist der Bündel-Effekt von Eigenschaften und Ressourcen. Komplementäre Ergänzungen erhöhen die Durchschlagskraft im Markt.

Hierbei werden an sich ungleiche aber komplementäre Teile der Wertschöpfungsketten verbunden, um die Reichweite im Markt zu vergrößern. In der Regel meist im Bereich des Marketings, wenn es darum geht, neue Marktanteile zu gewinnen. Dies kann zum Beispiel durch Co-Branding, Bündeln oder Cross-Selling Maßnahmen geschehen. Die unter der Maßnahme einer Connection gebündelten einzelnen Ressourcen müssen dazu kaum verändert werden, es sind für die Synergie selbst kaum Aufwendungen nötig. Lediglich eine neue Schnittstelle ist zu schaffen.

Was macht die 4C so besonders?

Die Klassifikation der 4C ist natürlich nur eine von vielen Möglichkeiten, die Literatur bietet inzwischen einige Ansätze. Doch in diesen 4C können vor allem die kulturbasierten Ansätze eine wichtige Arbeitsgrundlage bieten.

Führungskräfte können mit diesem Hilfsmittel die Synergie Gattung, die sie jeweils für einen Handlungsrahmen brauchen, identifizieren. Sie sollten dadurch auch fähig werden, neue Synergie-Möglichkeiten innerhalb existierender Partnerschaften oder von Angeboten aufzuspüren.
Bei jeder Synergie Ermittlung einer Wertschöpfungskette kann beim eigenen oder dem fremden Unternehmen nach ähnlichen (Consolidation und Combination Möglichkeiten) oder ungleichen (in Customisation und Connection) Ressourcen gesucht werden.

Zudem bietet die Anwendung der 4Cs eine ganze Reihe von Prognose-Perspektiven und Prinzipienansätzen an. So kann es hilfreich sein zu wissen, dass unter anderem das Zusammenwirken von Consolidation und Customisation zu Beginn mehr kostet, da sie größere Mittelaufwendungen nötig machen.
Ein wichtiger nicht zu unterschätzender Ansatz, die Kategorisierung, kann als Quelle für Wertungen dienen um Investoren, Managern und Partnern die Ziele der Synergien zu erklären.

Unternehmensentwicklung ohne die Berücksichtigung synergetischer Potentiale, ganz gleich ob im eigenen Unternehmen oder zwischen mehreren Parteien, darf heute nicht mehr vernachlässigt werden. Die größten Hindernisse dabei sind nicht berücksichtige Kulturdimensionen und damit einhergehende Friktionen zwischen Unternehmenskulturen.

Die strategische Indikation
Die 4Cs sind von strategischer Bedeutung, denn letztlich werden die Entscheidungen in Euro und Cent abgewogen. Leider wird die gedankliche Auseinandersetzung über die kausalen Zusammenhänge von Werten erster Ordnung, welche die Folgen von Fehlentwicklungen erst in nachrangigen Ordnungen bewirken, noch immer in den Management-Schulen vernachlässigt.
Doch zahlreiche pragmatische Rahmenbedingungen zwingen hier die strategische Entscheidungsbildung aus einem ganzheitlichen Blickwinkel auf die Möglichkeiten der Synergie zu betrachten. Zu viele Parameter bringen im Nachhinein das einmal gutgemeinte Zahlengebilde gehörig durcheinander.
Synergien zu eruieren und umzusetzen benötigt neben Querschnittskompetenzen auch dezidiertes Wissen im Bereich Projektmanagement, Change-Management, Personal und personensensibler Organisationswicklung.

In all diesen Bereichen sind Führungskräfte mehr denn je gefordert, sich über das Basiswissen hinaus auf den neuesten Stand zu bringen. Gerade um Change-Prozesse nicht nur anzuregen, sondern zu gestalten und ganz besonders bei synergetischen Maßnahmen ist ein Präsenzseminar nach wie vor die geeignetste Quelle für gezielte Weiterbildung.

Die Bildungsberater des MANAGER INSTITUT stehen Ihnen zur Verfügung, um Ihr persönliches Weiterbildungskonzept mit Ihnen zusammen zu entwickeln.

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