Was ist Interkultur?

geschrieben am: 18.05.2018 von: Oliver Haberger

In manchen Köpfen ranken sich Mythen, wenn es um die Begrifflichkeit „Interkulturell“ geht. „Interkulturelle“ ist jedoch nichts Mystisches, sondern einfach ein Bestandteil jeder Kultur. Im Grunde das, was in allen Kulturen in ungefähr dasselbe ausdrücken würde und somit für alle verständlich sein kann. Stehen sich zwei Menschen aus unterschiedlichen Kulturen gegenüber, haben sie trotz größter Unterschiede immer noch die Möglichkeit einer Kommunikation.

Bei der Interaktion zweier gegenüber stehender Menschen aus unterschiedlichen Orientierungssystemen ergibt sich eine kulturelle Überschneidungssituation. Das Interkulturelle stellt hierbei die Schnittmenge dar.

Die Beschäftigung mit exakt dieser Schnittmenge ist die interkulturelle Kompetenz. Im Grunde haben wir alle diese Kompetenz, mehr oder weniger ausgeprägt. Selbst in unserem alltäglichen Leben haben wir es bei unterschiedlichen persönlichen Lebenskulturen im zwischenmenschlichen Bereich mit der interkulturellen Dimension zu tun. Schwieriger wird es, wenn die Abstände zu der fremden Kultur größer werden. So ist bekannt, dass es größere Kultur-Differenzen zwischen der bayerischen und der berlinerischen Kultur gibt. Das interkulturelle Feld kann dann kleiner sein. Die Kompetenz, die Felder zu identifizieren und mit den Anforderungen kommunikativ produktiv umzugehen, ist die Herausforderung für jede Führungskraft.

Zum Begriff „Interkulturelle Kompetenz“ gibt es zahlreiche Definitionen, Erklärungsversuche, Konzepte und Theorien. Im Folgenden greifen wir zwei Definitionen auf.

Der deutsche Sozialwissenschaftler Wolfgang Hinz-Rommel definiert Interkulturelle Kompetenz als „die Fähigkeit, angemessen und erfolgreich in einer fremdkulturellen Umgebung oder mit Angehörigen anderer Kulturen zu kommunizieren“.
Dr. Edward Kiel beschreibt interkulturelle Kompetenz als „die Fähigkeit, sich in kulturellen Überschneidungssituationen angemessen orientieren und verhalten zu können“.

Für dieses Orientieren und Verhalten in einer komplexen und häufig wenig transparenten Situation bedarf es neben der allgemeinen Bereitschaft zur Kommunikation und Interaktion folgender einzelner Komponenten:

  • Auf der Ebene der Sachkompetenz geht es um das Wissen der eigenen kulturellen Werte und Haltungen und um das Wissen fremder kultureller Werte und Haltungen, das Wissen um die mögliche gegenseitige Abhängigkeit von Werten, wie etwa Gerechtigkeit oder Solidarität, das Wissen um globale Verflechtungen und Zusammenhänge.
  • Auf der Ebene der Sozialkompetenz geht es um die Fähigkeit, mit Stress umzugehen; Widersprüche und Konflikte in Interaktion und Kommunikation so auszutragen, dass die Kultur des Gegenübers nicht verletzt wird und die Fähigkeit, Empathie für das Individuum aus einer fremden Kultur zu entwickeln.
  • Auf der Ebene der Selbstkompetenz geht es darum, zu erkennen, wie das „ich“ von kulturellen Werten und Haltungen und Vorbehalten beeinflusst wird. Welche Muster aus der eigenen Kultur oder welche Subkulturen der eigenen Kultur prägen das Selbstverständnis.
    Schließlich bei der Handlungskompetenz geht es um die Kompetenz, die praktische Seite der eigenen Kultur und der fremden Kultur zu analysieren und eine Begegnung bewusst gestalten zu können.

Herausforderungen an internationale Teams
Menschen, also nicht nur Manager, nehmen ihr eigenes Kulturverhalten als gegeben und gesellschaftlich allgemeingültig hin. Aus der archaischen Perspektive ist eine fremde Kultur immer noch bedrohlich, also etwas falsches. In einer Situation interkultureller Zusammenarbeit orientieren sich die Mitglieder einer Kultur also an ihrem eigenen kulturspezifischen Problemlösungsprozess, den sie wie bereits erwähnt als gegeben und allgemeingültig hinnehmen.

Dadurch muss es zu Irritationen und Missverständnissen kommen, weil der „kulturfremde Andere“ den durch die eigene Kultur geprägten Erwartungen nicht entspricht, sondern befremdend handelt. Oder sogar kontraproduktiv, wenn Gesten in den Kulturen entgegengesetzte Bedeutungen haben. Ein angehobenes „Oh Oh“ bedeutet in den meisten Regionen: etwas Schlimmes könnte passiert sein. In den Philippinen bedeutet es ein einfaches positives „Ja“. Überall auf den Straßen ist das „Oh Oh“ zu hören und als dortiger Ausländer zuckt man unmerklich zusammen.

Erschwerend kommt hinzu, dass diese kulturellen Unterschiede bei der Zusammensetzung der Gruppe oftmals ignoriert werden und auch keine spezifischen Vorbereitungsmaßnahmen seitens der Unternehmen erarbeitet werden, um den Herausforderungen gerecht zu werden.
Vorbereitungsmaßnahmen für die Herausforderung der Internationalisierung sind nicht nur im administrativen Bereich nötig, ein Workshop zur interkulturellen Kompetenz oder zur Internationalisierung von Teams ist unabdingbar.

Das MANAGER INSTITUT und die MANAGER UNIVERSITY bieten Ihnen entsprechende Events, um sich auf internationalem Parkett erfolgreich bewegen zu können. Gleich, ob Sie sich im administrativen, organisatorischen, in Projekten oder auch im Austausch zwischen Manager bewähren müssen und Ergebnisse erbringen müssen, mit einem unserer Seminare oder Workshops erhalten Sie eine professionelle Vorbereitung.

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