Persönlichkeitsentwicklung in Unternehmen ist keine Option

geschrieben am: 31.10.2016 von: Oliver Haberger

Wer heute Menschen führt, kann es sich nicht mehr erlauben, auf direktives Führungsverhalten vergangener Jahre zurückzugreifen, nur um Prozesse schnell in Gang bringen zu wollen.
Trotzdem weiß jeder von uns, dass sich gerade in deutschen Unternehmen direktive Führungsstile hartnäckig halten, aber viele Unternehmen erkennen auch, dass diese indirekt wirkenden Einflussfaktoren eine erhebliche Rolle spielen. Kein Unternehmen kann es sich noch leisten, nur für das heutige Tagesgeschäft allein, den Profit im Auge zu behalten.
Betrachtet man den Wettbewerb, gibt es anscheinend vorteilige Parameter, die einem Unternehmen zu einer Spitzenposition verhelfen können. In unserem Newsletter vom September 2016 hatten wir uns eingehend mit den Studien von Alex Edmans, Professor für Finanzmarktforschung, beschäftigt.

Der Zusammenhang von Performance und Kultur

Edmans beobachtet und untersucht seit 1985 die immateriellen Einflüsse auf die Unternehmenserfolge. Vor allem die der Unternehmenskultur und der Mitarbeiterzufriedenheit auf die Performance der Erträge. Seine Liste der erfolgreichsten Unternehmen weist nach, dass mitarbeiterfreundlichere Unternehmen durchwegs auch eine überdurchschnittliche Performance gegenüber dem Wettbewerb und dem Kapitalmarkt erreichen. So haben die Unternehmen, die auf direktiven Führungsstil verzichten, über viele Jahre einen anhaltenden, generellen Vorsprung um bis zu 3,8 %. Mehr dazu finden Sie in unserem Newsletter. Doch dies bedeutet auch, dass viele Unternehmen hier umdenken müssen. Wichtig ist hier auch wieder, man kann immer von zwei Seiten vom Pferd fallen. Das Gegenteil von direktiv ist deshalb nicht die Lösung und die in den 80er Jahren gemachten ersten Gehversuche von Unternehmen in diese Richtung versprühten einen Geist von Anarchie und erreichten kaum bessere Ergebnisse. Das Rad der Führung muss also weitere Speichen erhalten, um eine ganzheitliche menschenorientierte Führung sicher in der Spur zu halten.
Der erste Schritt dabei war die Anerkennung eines Mitarbeiters als Persönlichkeit. Weg von der Annahme, der Mitarbeiter sei eine Ressource, die sogenannte Human Ressource Terminologie führt hier also in eine verzerrte Richtung und spaltet den Mitarbeiter in ein Leistungspaket und dem menschlichen Anteil, der möglichst privat und draußen gehalten werden soll. Doch genau dieser duale Weg hält auch weitgehend persönliche, kreative und unternehmerische Potentiale draußen.

Führungskräfte mit Profil

War es bis weit in den 90ern verpönt, überhaupt Ecken und Kanten an einem Arbeitsplatz zu zeigen, hat sich dies nach und nach verändert. Heute ist sich die Neuroforschung darin einig, dass gerade die Ecken und Kanten einer Persönlichkeit die Chance für innovative Ansätze bei der Ausübung kreativer Lösungsentwicklungen mit sich bringen. Prof. Dr. Gerald Hüther*, der bekannte Hirnforscher, drückt es so aus, dass die oben erwähnte Spaltung nur überwunden werden kann, wenn eine „Potential-Entfaltungs-Kultur“ etabliert wird. Er hat inzwischen seinen langjährigen Auftrag als Universitätsprofessor für Neurobiologie an der Universität Göttingen aufgegeben, um sich ganz dem Thema der Potential-Entfaltung zu widmen und hat dafür ein eigenes Institut gegründet.
Noch ist Persönlichkeit und Potential-Entfaltungs-Kultur nur in wenigen bestimmten Unternehmensbereichen gefragt. In einer Marketingabteilung mehr als in der Buchhaltung, was nachvollziehbar ist. Doch zeigt sich auch ein Gefälle bei der Unternehmensgröße.
So ist Potential bei mittelständischen Familienunternehmen mehr gefragt als bei handwerklichen Kleinbetrieben und beinahe gar nicht bei Konzernen und Holdings.
Doch wenn die Zufriedenheit eines Mitarbeiters und dessen Entwicklung als Persönlichkeit so eng mit dem gelebten Potential zusammenhängt und plötzlich diese Parameter für einen Ertragsvorsprung gelten, werden auch die Konzerne wach. So steht die Persönlichkeitsentwicklung plötzlich hoch im Kurs und Unternehmenskultur wird nicht mehr nur als Spielwiese von Integratoren degradiert. Wie nie zuvor bekommt diese Perspektive eine zentrale Rolle bei der Organisations- und Personal-Entwicklung.
Fachleute gehen davon aus, dass dieser Trend zunehmen wird. Was auf der Hand liegt, denn die Wertschöpfungsschichten der meisten Produktangebote geben kaum noch Innovationen her. Das 200te Toilettenpapier macht kaum noch Sinn, die 5-lagigen Angebote verschwinden nach und nach wieder vom Markt. Fahrzeuge gleichen sich mehr und mehr an, denn die Parameter, welche der Windkanal an die Form vorgibt, werden in vielen Fahrzeug-Schmieden auf gleiche Weise umgesetzt. Was bleibt ist die Dienstleistung. So betrachtet sich heute Nike schon nicht mehr als Schuhhersteller sondern als Dienstleistungsunternehmen und hat zahlreiche Institute rund um die Erforschung und Unterstützung von Bewegung erschaffen.

Sind Führungskräfte Dienstleister?

Große Denker haben schon früh erkannt, dass der Mensch ein soziales Wesen ist und es ihm am besten geht, wenn er in den Dienst an Andere investiert. In vielfältigster Form ist dies bei der Entwicklung der Neugründungen zu beobachten. Zwei von drei neu gegründete Unternehmen sind heute Dienstleister. Der Mehrwert durch Dienste wird seit Jahren an den Marketingschulen gelehrt, es scheint tatsächlich auch in Deutschland einen Umschwung zu geben. Trotzdem, fragt man einen Mitarbeiter nach dem Mehrwert, den er ganz speziell für seinen Kunden einbringen könnte, kommen oft nur rudimentäre Fragmente durch oberflächliche Antworten.
Echte Dienste sind jedoch nicht nur mehrwertig, sie können ganze Bereiche unseres Lebens revolutionieren. Der Dienst am Menschen, die allgemeine Wohlfahrt, wie es von den Wirtschaftswissenschaftlern an den Hochschulen gelehrt wird, ist tatsächlich die einzige Quelle für Fortschritt und Wettbewerbsvorteil. Hierbei bestätigen nun die Feld- sowie Neurostudien diese lange brachliegenden Tatsachen.
In jedem der untersuchten erfolgreichen Unternehmen bei Edmans ist es etwas anders gelagert und nicht einfach nachzuvollziehen, warum das Unternehmen mit freien und geförderten Persönlichkeiten über Jahre mehr Ertrag bringt, doch leugnen können wir es nicht mehr.
Heute wissen wir jedoch auch, dass ein echter Dienst, der die menschliche Wohlfahrt voranbringt, nur von Mitarbeitern entwickelt werden kann, welcher nicht nur freiwillig, sondern mit Hingabe geschieht. Er muss sich gedanklich frei bewegen und das Potential der Persönlichkeit voll einbringen können.

Jeder Mitarbeiter hat Potential

Ein revolutionärer Gedanke, sofern man einen Ansatz daraus macht um Führung neu zu denken. Von einer Fokusgruppe in New York erzählt Marylin Machlowitz, eine New Yorker Unternehmensberaterin, folgendes Ereignis: Ein großes New Yorker Museum wollte wissen, welches der vielen Ausstellungsstücke bei den Besuchern am beliebtesten ist und wollte dazu ein teures Institut von Experten beauftragen. Dem Hausmeister kam dieses Projekt zu Ohren und er stellte daraufhin seine Aufzeichnungen zur Verfügung. Er hatte genau Buch geführt, bei welchen Exponaten wie lange und am meisten geputzt werden musste.
Sie haben überall in Ihrem Unternehmen Persönlichkeiten, die nur darauf warten, ihr ganzes Potential einzubringen. Der Schlüssel dazu sind Weiterbildungskonzepte, die bewusst ganzheitlich die Entwicklung und Kreativität von Mitarbeitern im Fokus haben.
Beim MANAGER INSTITUT sind die Menschen und ihre Persönlichkeit seit Jahren im Fokus, denn wir haben erlebt, wie Innovation und Führungsstile hervorragend zusammenpassen können.
Sprechen Sie mit unseren Weiterbildungsberatern und lassen Sie sich dabei dienen, zielführende Konzeptionen zu entwickeln, damit sich das Potential Ihrer Mitarbeiter auch in einem Wettbewerbsvorsprung niederschlägt.

Kommentar schreiben