Ein Lerntransfer mit 90% Verlust ist nicht akzeptabel

geschrieben am: 30.11.2016 von: Oliver Haberger

Es ist allgemein bekannt und die Wissenschaft hat es nachgewiesen, im besten Falle und selbst bei vielerlei Medieneinsatz war es bisher so, dass bei einem Lernprozess sehr wenig an Daten im Langzeitgedächtnis hängen bleiben. Diese Problemstellung ist schon sehr lange der Anlass vieler forschender Einrichtungen, sich diese Verhaltens- und Neuromechanismen näher anzuschauen. Die Absicht dabei ist vor allem, heraus zu finden, wie man diese Rate erhöhen kann.

Zum einen sind es die Lernmethoden selbst, die im Focus der Forschung stehen. Als komplementäre Lösung dazu gibt es inzwischen in der neueren Entwicklung von Lern-Methoden einige vielversprechende Ansätze. Vor allem die kombinierten Ansätze von E-Learning und Präsenzlernen, inzwischen als Blended Learning bekannt, eröffnen eine ganze Reihe neuer Türen für die Wissensvermittlung. Doch auch hier stehen wir noch ganz am Anfang und haben noch keine standardisierten Konzepte, die nicht nur erfolgversprechend, sondern auch marktreif sind.

Ist E-Learning die Lösung?

Fachleute sind sich einig, auch die neuen Methoden greifen immer noch zu kurz, wenn nicht in viel größerem Umfang als bisher auch die Lernfähigkeit und Wissensverarbeitung von menschlichen Gehirnen untersucht werden. Es müssen die rezeptiven Funktionseinheiten einbezogen werden, sowie die Verarbeitungsweise und die Speicherungsvorgänge der neuronalen Vorgänge bei der Verinnerlichung von Wissen. Wie brauchen Wissensvermittlungs-Methoden, welche diese neuralen Vorgänge zur Grundlage haben.

Dazu sind auch einige grundlegende Fehlinterpretationen zu korrigieren, so gilt bisher das Vergessen oder Nichtaufnehmen dieser 90% Lerneinheiten als ein Mangel. Dies führt auf eine völlig falsche Fährte und zu falschen Maßnahmen. Die Annahme lässt einige entscheidende Grundlagen-Funktionen des Gehirnes außer Acht. Denn für unser tägliches Überleben ist es für unser Gehirn besonders wichtig, Daten und relevante Informationen genau zu unterscheiden. Zugrunde liegen eher Gründe und eine Funktion, die einer gewissenhaften Haushaltsführung, Reinigung und Müllentsorgung ähnlich kommt. Was nicht nützlich ist, fliegt gleich raus.

Wissen Sie, was Sie da auf Ihren Schultern tragen?

Diese Arbeit erledigt unser Gehirn in einmaliger Präzision und mit ca. 2 Milliarden Rechenoperationen pro Sekunde. Diese hohe Effektivität ist nur möglich, weil sich unser Gehirn und der Teil, der für die Verarbeitung zuständig ist, das limbische System, dabei totalitär an bestimmte Regeln hält. Eine der Regeln betrifft die Relevanz der eingehenden Impulse, sie zu prüfen und die Inhalte im Bruchteil einer tausendstel Sekunde in eine Prioritätenliste zu stellen. Die weiteren eingehenden Impulse sowohl aus dem inneren System, wie auch aus dem Langzeitgedächtnis, dem Erfahrungsgedächtnis oder dem emotionalen Gedächtnis geben blitzschnell den Impulsen weitere Noten. Die Selektion geschieht unabhängig, unbestechlich und unumkehrbar.

Stellt der Impuls nur zusammenhangslose Daten dar, ist er nutzlos und wird sofort neutralisiert. Wird allerdings in der Analyse festgestellt, dass die Daten einen Mehrwert bieten, also nicht nur Daten sind, sondern relevante Informationseinheiten, dann werden diese im System gehalten. Je mehr in der Folge weitere, den Kern der Informationen bestätigende Impulse hereinkommen, wie auditive, olfaktorische oder visuelle Perspektiven derselben Informationen, können diese stärker verankert werden. Eine Lerneinheit hat so ihren Platz im Gedächtnis erhalten.

Was ist hier passiert?

Von außen betrachtet könnte man sagen, durch einen gehäuften Sinnzusammenhang innerhalb der Daten haben Informationen eine Relevanz erhalten. Unser Hippocampus als Teil des limbischen Systems erlaubt sich nun dieses gesamte Datenbündel als relevante Informationen zu identifizieren und gibt sie zur Abspeicherung frei. Die Gehirnrinde hat also einen Torwächter, die Amygdala genau gesagt, die dann die Tür zum Gedächtnis aufmacht.
Erst vor kurzem hat man im Hippocampus, exakt ausgedrückt im Zusammenwirken seiner Nervenzellen – den neuronalen Mechanismus entdeckt, den man für den physiologischen Wirkungsvorgang des Lernens hält: Die Langzeitpotenzierung (LTP).

Nervenzellen, die zeitgleich aktiv werden, koppeln stärker aneinander als andere und bilden so eine stärkere Verbindung. Die Signale können schneller ungehindert fließen, was auch das schnelle Erinnern an gut gelerntem Stoff fördert.

Wie sie selber Relevanz herstellen

Wenn wir so dezidiert lernen, warum lernen wir dann immer noch nach Prinzipien der pädagogischen Vorväter, fragt man sich? Doch auch dies hat einen Grund, der in den Gehirnfunktionen liegt. Das Gehirn ändert bei geringer Relevanz sehr ungern seine Strukturen und setzt eher auf gewohnte Wege, Routinen und das Bewahren des Zustandes.

Unser Gehirn muss also überzeugt werden, Daten aufzunehmen und zu speichern. Wie vorstehend erklärt, lässt es sich durch gehäuften Sinnzusammenhang und Relevanz überreden.

Relevanz ist dabei zum Beispiel die Nähe des Stoffes zu dem alltäglichen Geschehen, also dem Arbeitsalltag zum Beispiel. Dies ist auch für die emotionale Bindung an den Stoff ein wichtiger Faktor. Man ist sich heute mehr im Klaren als je zuvor, welchen wirksamen Stellenwert die Emotionen beim Lernen haben.

Sinnzusammenhang entsteht durch anwendungsrelevante, ergebnisorientierte Zusammenhänge. Bei der Relevanz geht es um das „WAS“, beim Sinnzusammenhang um das „WIE“.

Beim MANAGER INSTITUT bieten wir Ihnen für das „WAS“ ein genau abgestimmtes Konzept von 300 Moduleinheiten mit allen für Sie relevante Themen. Wählen Sie aus den Basisthemen und den Aufbauthemen und stellen Sie so Relevanz her. Bei dem „WIE“ kümmern sich unsere praxiserprobten Dozenten darum, den Stoff nach neuesten Erkenntnissen der Neurowissenschaften nahe an Ihrem Unternehmensalltag zu gestalten. Der Stoff kann dabei auf Ihre situativen Umgebungsvariablen zugeschnitten werden. Ein wesentlicher Grund warum eine Experten-Beratung bei Weiterbildungsstrategien für eine weitaus größere Effektivität bei der Umsetzung der Weiterbildungskonzepte steht.
Rufen Sie unsere Weiterbildungsexperten an, sie stehen Ihnen für das „WAS“ und „WIE“ gerne zur Verfügung. Sie werden erkennen, Relevanz und Sinnzusammenhang und damit der Erfolg einer Weiterbildungsmaßnahme lässt sich noch beständig verbessern.

Ihr O.H.

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